CHRISTINE GIRONCOLI

VERLORENES – GEFUNDENES

Bis 29. Oktober 2019 / Through 29 Oct 2019

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We are delighted to announce the first solo exhibition of Christine Gironcoli (b. 1941, Vienna). Her unique work has until now been completely eclipsed by her husband, the noteworthy Austrian sculptor Bruno Gironcoli.

Christine Gironcoli intuitively creates her paintings not on conventional canvases, but on canvases that had been used in painting restauration, some of which are over a hundred years old. These supporting textile panels were glued to paintings on the reverse side, so as to prevent the works from tearing, among other reasons. The artist reacts with great sensitivity to the traces and discolourations that have appeared on them all by themselves over the course of time. At times imperceptibly subtle, at other times with decisive, impasto colour settings , or with the application of mostly old, found objects too. In her art, Christine Gironcoli addresses the hidden universe that the backs of paintings represent and she was the first to bring the obscured, second canvases to light in order to develop her stunning painting on them.

Christine Gironcoli (b. 1941) initially trained as a pianist at the Vienna Conservatory, after which she studied painting in Vienna in the 1950s (until 1961) with Günter Brus and Bruno Gironcoli, whom she later married. She worked as a painting restorer until 1995.

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Wir freuen uns, Christine Gironcoli (geb. 1941, Wien) die erste Einzelausstellung einrichten zu können. Bis heute steht ihr einzigartiges Werk komplett im Schatten ihres Mannes, des bedeutenden österreichischen Bildhauers Bruno Gironcoli.

Ausgehend von ihrer Jahrzehnte langen Praxis als Restauratorin, realisiert Christine Gironcoli Ihre Bilder nicht auf konventionellen Leinwänden, sondern auf Arbeitsmaterialien und auf z. T. mehr als hundert Jahre alten Doublierleinwänden, auch Stützleinwände genannt. Solche Leinwände werden auf die Gemälderückseiten geklebt, um u.a. deren Einreißen zu verhindern. Auf die Spuren und Verfärbungen, die sich im Laufe der Zeit ganz von allein auf ihnen abgezeichnet haben, reagiert die Künstlerin mit größter Sensibilität. Mal unmerklich fein, mal mit entschiedenen, pastosen Farb-Setzungen oder auch mit dem Applizieren meist alter, gefundener Objekten.

Christine Gironcoli thematisiert den verborgenen Kosmos, welche die Rückseiten von Gemälden darstellen und bringt in ihrer Kunst als erste(r) die verdeckten, zweiten Leinwände ans Licht.

Am Konservatorium in Wien zur Pianistin ausgebildet, studierte sie in den 1950er Jahren (bis 1961) Malerei u.a. mit Günter Brus und Bruno Gironcoli, den sie dann heiratete. Die Geburt einer Tochter (1961) erlaubte seinerzeit keine weitere Karriere im Kunstbetrieb. Daher erlernte sie den Beruf der Gemälderestauratorin, den sie bis 1995 ausübte. Seither widmet sie sich wieder intensiv der eigenen Kunst.

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.CHRISTINE–GIRONCOLI  Kai Middendorff Galerie

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Gironcolis Bildträger sind einzigartig. Es handelt sich um alte Stützleinwände, welche die Malerin in ihrem Zweitberuf als Restauratorin gesammelt hat und auf neue Leinwände kaschiert. Da Gironcolis Leinwände etwas größer sind, werden die ursprünglich umgeschlagenen und durchnagelten Seiten der Bilder nun sichtbar und zu einer Art ‘Rahmen’ ihrer Werke.

Die Künstlerin schlägt bei diesem Werk die Nägel am oberen Rand nicht komplett in den Keilrahmen und hängt an ihnen eine eine Schnur samt Schere. Den zerrissenen Rand der Stützleinwand drückt die Künstlerin beim Kaschieren mit ihrer riesigen Presse so fest in einen darunter liegenden, hellen Karton hinein, dass das Gewebe selbst aus der Nähe wie gemalt erscheint und an eine Landschaft erinnern mag.

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The torn edge of the supporting canvas has been pressed so firmly into the light-coloured cardboard underneath by the artist when laminating it with a huge press that, even up close, it appears to have been painted.

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Der zerrissene Rand der Stützleinwand ist von der Künstlerin beim Kaschieren mit einer riesigen Presse so fest in den darunter liegenden, hellen Karton gedrückt worden, dass sie, selbst aus der Nähe, wie gemalt erscheint.

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DIE HAND DES GENERALDIREKTORS  I

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Every painting by Christine Gironcoli has its own background story. This work holds very special one:

A large Viennese company commissioned Christine Gironcoli to restore a portrait dating from 1906 of their general director. When those responsible found out what the cost would be, they decided that only the head should be restored and the rest be cut off. Christine Gironcoli did not dispose of the remaining painting. Instead she used the hand of the general director for this work years later.

Concerning the left half of the image: a tragic smouldering fire left Christine Gironcoli’s entire studio covered in a thick layer of soot. While cleaning up, Gironcoli discovered these wonderful circular shapes under five rolls of tape. She affixed the cardboard on which they had appeared and later combined it with the canvas to create this unique work.

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Alle Bilder von Christine Gironcoli haben eine Vorgeschichte. Diese Arbeit eine ganz besondere:

Ein großes Wiener Unternehmen ließ bei Christine Gironcoli das Porträt ihres Generaldirektors von 1906 restaurieren. Als die Verantwortlichen die Kosten erfuhren, beschlossen sie, nur den Kopf in Auftrag zu geben und den Rest abschneiden zu lassen. Christine Gironcoli warf die verbliebene Malerei nicht fort, sondern verwendete die Hand des Generaldirektors Jahre später für dieses Werk.

Zur linken Bildhälfte: Ein tragischer Schwelbrand überzog das komplette Atelier von Christine Gironcoli mit einer dichten Rußschicht. Beim Säubern entdeckte Gironcoli unter fünf Rollen Klebeband diese wunderbaren Kreisformen. Sie fixierte den Karton, auf dem sie sich abgebildet hatten, und kombinierte ihn später mit der Leinwand zu diesem einzigartigen Werk.

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DIE HAND DES GENERALDIREKTORS  I  (Detail)

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Christine Gironcoli applied her painting tools here—a brush and a knife—as well as wedges and two small pieces of canvas, integrating them into the picture composition.

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Ihre Malwerkzeuge – ein Pinsel und ein Messer – sowie Keile und zwei kleine Leinwandstücke hat Christine Gironcoli hier appliziert und in die Bildkomposition eingebunden.

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Eine Inschrift hat sich von der Bildseite bis zur Stützleinwand durchgeschlagen. Und ist daher in Spiegelschrift zu sehen..
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Version 3

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Version 4

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Version 4
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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
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Hier als PDF  lesen / here
9.10.2019
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FRANKFURTER  ALLGEMEINE  ZEITUNG
online seit dem 6.9.2019
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Christine_Gironcoli Kai_Middendorff–Galerie
Zum F.A.Z.-Kunstmart-Artikel
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MONOPOL 10/2019
MONOPOL 10/2019 Christine_Gironcoli
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Hessischer Rundfunk – Kulturtips von Dr. Inez Florschütz, Direktorin Deutsches Ledermuseum
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Journal Frankfurt, 9/2019
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Interview Christine Gironcoli über Bruno Gironcoli anlässlich dessen Ausstellung in der SCHIRN Kunsthalle
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Siehe auch:
BRUNO GIRONCOLI . Kai Middendorff Galerie  2019
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KAI MIDDENDORFF GALERIE
Niddastraße 84 .  Halle
60329 Frankfurt am Main
galerie@kaimiddendorff.de
Tel. +49 (0)170 31 32 191
Tel. + 49 (0)69 74309035
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